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Regeneration: wichtige Zeit zwischen dem Training

Regeneration

Im Sommer beobachte ich oft, dass es vielen Radfahrer:innen schwer fällt, richtige Ruhetage einzulegen. Das Wetter ist gut, die Tage sind lang; statt zu Hause bleiben doch mit Freuden zur Eisdiele zu fahren klingt verlockend. Die Versuchung ist groß, jede freie Stunde auf dem Rad zu nutzen.
Dazu kommen viele Rennen und Events, da bleibt keine Zeit für eine richtige Ruhephase. Außerdem schwingt irgendwo auch die Befürchtung mit, an Form zu verlieren.

Kurzfristig ist das meistens völlig okay, doch über die Tage und Wochen entsteht ein negativer Trend: Die Beine sind nie richtig frisch, intensive Einheiten fallen ungewöhnlich schwer, die Leistung stagniert und die Rennen laufen nicht ganz so gut wie gehofft.

Belastung setzt den Reiz – Regeneration ermöglicht Anpassung

Training macht nicht leistungsfähiger. Die Anpassungen entstehen zwischen den Einheiten – wenn genügend Zeit ist.

Nach dem Training beginnt die Regeneration und die Adaptationsprozesse, die den Körper langfristig leistungsfähiger machen. Diese Anpassungen benötigen Zeit und Energie. Wird dieser Prozess durch eine Aktivität unterbrochen, wird er weiter hinausgezögert. Selbst wenn die Aktivität sich nicht beanspruchend anfühlt, findet eine Belastung statt, auch bei lockerem „Rumrollen“. Sie verbraucht Energie, die Muskulatur muss arbeiten, die Nerven müssen Reize weiterleiten, deine Aufmerksamkeit ist gefordert, Herz und Kreislauf sind aktiver, … Währenddessen kann der Körper schwer regenerieren und aufbauen.

Erholung ist kein passiver Prozess

Regeneration bedeutet für dich vielleicht Nichts-Tun, für deinen Körper aber sehr viel Arbeit.

Je nach Art der vorausgegangenen Belastung laufen verschiedene Regenerations- und Adaptationsprozesse gleichzeitig ab. Entleerte Glykogenspeicher werden aufgefüllt, beschädigte Muskelproteine repariert und neu aufgebaut, Metaboliten weiter verstoffwechselt und langsam das Ruhegleichgewicht wieder hergestellt.

Gleichzeitig reagiert der Stoffwechsel auf den Trainingsreiz: Die Bildung neuer Mitochondrien beginnt, die Bildung von Enzymen des Energiestoffwechsels wird angeregt und langfristig kann sich auch die Kapillardichte in der Muskulatur erhöhen. All diese Veränderungen verbessern die Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, Energie bereitzustellen und effizient in Bewegung umzusetzen.

Diese Anpassungsprozesse brauchen Zeit. Je nach vorangegangener Belastung (und möglicher Vorermüdung) können sie mehrere Tage dauern und werden unter anderem von Schlaf, Energieverfügbarkeit, Alter und dem gesamten Trainingsload beeinflusst.

Auch das Nervensystem spielt eine wichtige Rolle. Gerade nach Wettkämpfen, maximalen Belastungen und auch nach Krafttraining benötigt es Zeit, um sich vollständig zu erholen. Ist diese Erholung unvollständig, spürt man es häufig sofort – die nächste Einheit fühlt sich auf unspezifische Art schwer an, ohne das es “wehtut”.

Die Regeneration ist das Problem, nicht die Trainingseinheit

Eine einzelne harte Einheit mit unvollständiger Erholung ist selten das Problem.

Entscheidend ist die Summe der Belastungen im Verhältnis zur Regeneration.

Gerade im Sommer entstehen hohe Trainingsumfänge oft nebenbei. Rennen und Events, gutes Wetter, lange Tage, viele Möglichkeiten und Optionen, erhöhen den Gesamtload “einfach”. Der Load ist nicht zwangsläufig das Problem, sondern die inadäquate Regeneration.

Zeichen für unzureichende Erholung können sein:

Nicht jede dieser Veränderungen ist unmittelbar auf fehlende Regeneration zurückzuführen oder umgekehrt, tritt immer auf, wenn es an Regeneration mangelt. Den individuellen Verlauf langfristig zu beobachten kann aber sehr aufschlussreich sein.

Regeneration = Ruhetag?

In der Regeln ist Ruhe die beste Option für Regeneration, zumindest wenn der Bedarf sehr akut ist.

Lockere Bewegung kann die Regeneration unterstützen, da es den Blutkreislauf aktiviert, due Sauerstoffversorgung verbessert und den Abtransport von Metaboliten und Flüssigkeit im geschädigten Gewebe erleichtert. Wichtig ist aber, dass es wirklich (!!!) locker ist. Außerdem “kostet” auch jede noch so lockere Belastung Energie – es sollte also auf individueller Ebene situativ abgewogen werden, welches System den größten Erholungsbedarf hat und wie es am besten unterstützt werden kann. Hierbei spielt natürlich auch die Ernährung, Schlaf und der Alltag eine ganz entscheidende Rolle.

Regeneration nicht nur nach dem Training

Wie groß der Regenerationsbedarf ist ist in erster Linie durch den Trainingsload bestimmt. Doch wie gut sie verläuft ist von vielen Faktoren im und außerhalb des Training beeinflusst.

Eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr reduziert die Entleerung der Glykogenspeicher. Gute Energieverfügbarkeit unterstützt die anschließende Regeneration. Ein ausgeglichener Wasser-Elektrolyt-Haushalt, ausreichend Proteine und Mikronährstoffe helfen ebenfalls.

Doch auch das allgemeine Stresslevel und die hormonelle Situation beeinflussen die Regeneration mitunter stark.
Die beste Recovery-Maßnahme ist Schlaf – doch leider ist durch Stress gerade der häufig mit beeinträchtigt. Entspannungstechniken, Achtsamkeit und Atemübungen können hier in meiner Erfahrung oft mehr bewirken, als trendige Recovery-Maßnahmen. Schlaf und Ernährung ist immer die Basis – für gutes Training und eine gute Regeneration.

Regeneration zu priorisieren bedeutet nicht, weniger zu trainieren, sondern die Voraussetzung für gutes Training und positive Entwicklung zu schaffen.

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